Biodiversität

Konzept für Naturschutz und Landschaftsplanung

Das Erdinger Moos war bereits vor dem Bau des Flughafens eine Kulturlandschaft, die intensiv landwirtschaftlich genutzt wurde, und keineswegs mehr unberührte Natur. Jahrzehnte vor den ersten Planungen für den Airport war viel vom ursprünglichen Erscheinungsbild des Erdinger Mooses und der Isarauen verloren gegangen, zumal bereits im 19. Jahrhundert das Gebiet großräumig entwässert und durch den Bau von Kanälen weiter trockengelegt wurde. Den Flughafen München optimal in seine Umgebung einzubetten, war von Anfang an ein Ziel des Planungskonzepts. Also schuf die FMG Strukturen, die das weiträumige Umfeld ökologisch aufwerteten und vernetzten. Das Konzept gliedert den Raum im Erdinger und Freisinger Moos in drei Zonen:

  • Zone I: Flughafengelände mit Start- und Landebahnsystem, Gebäuden und Straßen. Grünflächen machen fast zwei Drittel des Flughafengeländes und der Zone I aus. Alle nicht bebauten oder unversiegelten Flächen innerhalb des Flughafens wurden als hochwertige Grünflächen gestaltet. In den öffentlich zugänglichen Bereichen wurden zusätzlich über 6.000 Bäume gepflanzt. Eine zielgerichtete Pflege ließ auf großen Teilflächen eine artenreiche Vegetation entstehen. So entwickelten sich zum Teil hochwertige Magerwiesen, die ökologisch weitaus wertvoller sind als intensiv landwirtschaftlich bestellte Grünland- oder Ackerflächen außerhalb des Flughafenzauns.
  • Zone II: gehölz- und strukturreicher Grüngürtel um das Flughafengelände. Die Flughafenrandzone mit ihren Gehölzen, Wassergräben und Wiesen übernimmt Pufferfunktionen für Siedlungen und Landwirtschaft und bindet die Bauwerke des Flughafens in die umgebende Landschaft ein. Heute trägt zum Beispiel bereits über die Hälfte der Flächen des Vorflutgrabens Nord schutzwürdige Vegetation, so etwa die Bunte Schwertlilie, die Sumpfgladiole oder das Gefärbte Laichkraut.
  • Zone III: ökologische Ausgleichsmaßnahmen. Mittlerweile hat die FMG circa 374 Hektar Ausgleichsflächen geplant und gebaut. Die Herstellung im erforderlichen Umfang und die ordnungsgemäße Pflege wurden von den zuständigen Genehmigungsbehörden (Luftamt Süd, Regierung von Oberbayern und Höhere sowie Untere Naturschutzbehörde) bestätigt. Die einzelnen Maßnahmen dienen als Ausgleich für den Naturschutz und das Landschaftsbild, sie schaffen neue Strukturen oder verbessern bereits vorhandene schutzwürdige Flora und Fauna. So werden zum Beispiel Biotopkorridore geschaffen, die Naturschutzgebiete, Fließgewässer oder einfach Lebensräume miteinander verbinden. Die verschiedenen Lebensräume fördern eine hohe Vielfalt auch bedrohter und seltener Arten und Biotoptypen. Besonders hervorzuheben sind die vom Aussterben bedrohten Vogelarten Grauammer, Braunkehlchen und Großer Brachvogel sowie die Libellenart Vogel-Azurjungfer.

Fläche des Flughafens

Gesamt: 1.577 Hektar

Grafik: Fläche des Flughafens

Zonen-Modell

Grafik: Zonen-Modell

Flughafen als Teil eines Vogelschutzgebiets

Der Flughafen München ist Teil des 4.525 Hektar großen Europäischen Vogelschutzgebiets »Nördliches Erdinger Moos« mit 40 besonders gefährdeten Vogelarten. Es grenzt im Norden und Osten direkt an das Flughafengelände und schließt 658 Hektar der Flughafenwiesen um die Start- und Landebahnen mit ein. Vor allem für seltene Wiesenbrüterarten bildet es einen bedeutenden Lebensraum. Auf den Ausgleichs- und Ersatzflächen der FMG innerhalb der beidenVogelschutzgebiete »Nördliches Erdinger Moos« und »Freisinger Moos« sind neben den wertvollen Vogelarten außerdem seltene Pflanzen-, Reptilien-, Libellen- und Schmetterlingsarten anzutreffen, wie zum Beispiel der Kriechende Sellerie, die Zauneidechse, die Vogel-Azurjungfer und der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling.

Flughafen München schützt Wiesenbrüter

Der Bestand vieler Wiesenbrüterarten in Bayern ist stark gefährdet. Sieben der neun bayerischen Arten sind bereits vom Aussterben bedroht. Um die Lebensräume gefährdeter Vogelarten zu fördern und zu verbessern, hat die FMG mit fachlicher Unterstützung des Bayerischen Umweltministeriums im Juli 2016 das Projekt »Wiesenbrüterschutz im Bereich des Flughafens München« ins Leben gerufen. Ziel ist es, die Lebensräume von Wiesenbrütern rund um den Airport weiter zu verbessern. Dazu werden in den kommenden fünf Jahren auf bis zu 50 Hektar landwirtschaftlich genutzten Flächen Schutzvorkehrungen und Maßnahmen entwickelt und getestet, zum Beispiel Nesterschutz, extensivere Bewirtschaftung, wiesenbrütergerechte Mahd, Einzäunung als Schutz vor Fraßfeinden und Ausarbeitung von ökologischen Pachtverträgen mit entsprechenden Bewirtschaftungsauflagen.

Jagd als angewandter Naturschutz

Bei der Jagd im Bereich des Flughafens stehen der Natur- und Artenschutz sowie die Vogelschlagverhütung im Vordergrund. So wird zum Beispiel der Bestand von Füchsen oder Mardern auf den Flughafenwiesen reguliert, um bedrohte Wiesenbrüter zu schützen. Auch zur Arterhaltung des Rotwilds trägt die FMG bei. Sie besitzt Flächen in den Isarauen, die in Bayern zu den ausgewiesenen elf Rotwildgebieten zählen. In der Vergangenheit ist es gelungen, die Bestandsflächen zu sichern, Wandermöglichkeiten für das Rotwild zu erhalten und naturschutzrechtliche sowie jagdliche Belange aufeinander abzustimmen. 2016 statteten die Flughafenjäger 400 Straßenpfosten im Bereich der Flughafeneigenjagd mit Wildwarnreflektoren aus, um Wildunfälle zu vermeiden. Zudem spendete die FMG der Kreisgruppe Freising des Bayerischen Jagdverbands 5.000 Euro für den Erwerb weiterer Reflektoren für Wildunfallschwerpunkte.

Lebensraum für Schmetterlinge

Als Leuchtturmprojekt im Rahmen des Umweltpakts Bayern gilt das freiwillige Engagement des Airports zum Schutz von seltenen Moorschmetterlingen im »Freisinger Moos«. Wald-Wiesenvögelchen, Randring-Perlmuttfalter, Dunkler und Heller Wiesenknopf-Ameisenbläuling heißen die vier seltenen und bedrohten Arten, denen der Flughafen auf sechs geeigneten, insgesamt fünf Hektar großen Arealen in der Region einen neuen, geschützten Lebensraum einrichtet.