Ausblick, Risiken- und Chancenbericht

Ausblick

Wirtschaftliche und branchenspezifische Rahmenbedingungen

Im Kalenderjahr 2017 wird das Weltwirtschaftswachstum voraussichtlich leicht an Tempo zulegen. Aktuelle Forecasts reichen von 2,7 % (Weltbank, Global Economic Prospects, Januar 2017) bis 3,4 % (Internationaler Währungsfonds, World Economic Outlook, Januar 2017) und liegen damit marginal über den Hochrechnungen für das Jahr 2016.

In den führenden Industrienationen wird die Wirtschaft wohl in ähnlichem Umfang wachsen wie 2016. In den Entwicklungs- und Schwellenländern dürfte die Wirtschaftsleistung vor allem aufgrund steigender Rohstoffpreise insgesamt wieder Fahrt aufnehmen. Bei den Krisenländern der letzten Jahre, Brasilien und Russland, wird für das nächste Jahr wieder von einem positiven Wirtschaftswachstum ausgegangen.

Prognose Wirtschaftswachstum ausgewählter Zielländer weltweit

Grafik: Prognose Wirtschaftswachstum ausgewählter Zielländer weltweit
Wachstum BIP 2016 und 2017
Quelle: IMF, World Economic Outlook, Januar 2017

Nachdem sich die OPEC-Staaten im zweiten Halbjahr 2016 auf eine Begrenzung der Ölfördermenge geeinigt hatten, kam es zu einem moderaten Anstieg des Ölpreises. Da die Quotentreue der ölexportierenden Länder in der Vergangenheit allerdings gering war, ist für dieses Jahr von einer Stagnation des Erdölpreises bei rund 55 US-Dollar je Barrel (Marke Brent) auszugehen.

Für die Eurozone wird 2017 ein Gesamtwachstum von 1,6 % erwartet. Der Anstieg der Wirtschaftsleistung wird dabei vor allem vom privaten Konsum getragen. Die Dynamik bei der Entwicklung der Konsumausgaben sollte sich aber aufgrund einer moderat zunehmenden Inflation nicht weiter verstärken. Die Prognose für 2017 für den Euroraum ist dabei mit relativ großen Unsicherheiten behaftet. Gründe hierfür sind die noch unklaren Auswirkungen des Brexits sowie Unsicherheiten bezüglich der künftigen Ausrichtung der Wirtschaftspolitik aufgrund der anstehenden Parlamentswahlen in den vier wichtigen Mitgliedsstaaten Deutschland, Frankreich, Italien und Niederlande.

Prognose Wirtschaftswachstum ausgewählter Zielländer europaweit

Grafik: Prognose Wirtschaftswachstum ausgewählter Zielländer europaweit
Wachstum BIP 2016 und 2017
Quelle: IMF, World Economic Outlook, Januar 2017

Die Zunahme der Wirtschaftsleistung in der Bundesrepublik wird 2017 mit 1,5 % etwas niedriger ausfallen als im Vorjahr. Dies ist hauptsächlich auf die geringere Anzahl an Arbeitstagen im Jahr 2017 zurückzuführen. Die grundlegende Wachstumsdynamik bleibt erhalten. Die Frühindikatoren für die Wirtschaftsentwicklung in der Bundesrepublik verbleiben auf hohem Niveau. So liegt der ifo-Geschäftserwartungsindex bei 111,0 und die ZEW-Konjunkturerwartung bei 13,8 Punkten.

Der Aufschwung wird weiterhin von privatem Konsum und Bauinvestitionen getragen. Es ist aber davon auszugehen, dass auch die Exporte aufgrund der im Vergleich zu 2016 positiveren weltwirtschaftlichen Aussichten im kommenden Jahr wieder Fahrt aufnehmen. Auch die Stimmung der Verbraucher lässt auf ein Fortdauern der positiven Entwicklung bei den Konsumausgaben hoffen. Für März 2017 rechnet die GfK mit einem Konsumklimaindex von 10,0 Punkten.

Die Rahmenbedingungen in Bayern und im Flughafenumland lassen eine weitere starke Zunahme der Verkehrsnachfrage am Flughafen München erwarten. Nach den Ergebnissen der regionalisierten Bevölkerungsvorausberechnung des Bayerischen Landesamts für Statistik wird die Einwohnerzahl Bayerns bis zum Jahr 2035 wachsen, vor allem in der Region München. Die Bevölkerung Oberbayerns wird um 11,5 % zunehmen. Auch der Prognos Zukunftsatlas weist für die genannten Regionen beste Zukunftschancen aus. Getrieben vom wachsenden Wohlstand und von zunehmender Bevölkerung entwickelte sich in den vergangenen beiden Jahren vor allem das Aufkommen aus dem Kerneinzugsgebiet des Flughafens München positiv. Dieser Trend wird sich vermutlich auch in Zukunft fortsetzen.

Der weltweite Luftverkehrsmarkt wird weiter wachsen. Die IATA geht für 2017 von einer Zunahme des weltweiten Luftverkehrsaufkommens um 5,1 % aus. Im Vergleich zu 2016 (5,9 %) wird also mit einer leicht rückläufigen Wachstumsrate gerechnet, da der moderat ansteigende Ölpreis die Nachfrageentwicklung etwas dämpft. Auch für die Fracht zeichnet sich mit einem Plus von 3,3 % eine positive Entwicklung ab. Der deutsche Flughafenverband ADV blickt ebenfalls optimistisch in die Zukunft. Mit einem erwarteten Passagierwachstum von 3,1 %, einem Anstieg der Flugbewegungen um 1,9 % und einer Zunahme der beförderten Fracht um 2,8 % bahnt sich erneut ein erfolgreiches Geschäftsjahr für die deutschen Verkehrsflughäfen an. Wachstumstreiber wird dabei laut ADV vor allem das Low-Cost-Segment sein.

Prognostizierter Geschäftsverlauf

Auch die Geschäftsführung des Flughafens München blickt mit positiven Erwartungen auf das Verkehrsaufkommen 2017. So soll die Anzahl der Passagiere um circa 3 % zulegen und damit auf 43,9 Millionen ansteigen. Bedingt durch zahlreiche neue Flugverbindungen in Terminal 1 und 2 rechnet die Geschäftsführung mit einem Anstieg der Flugbewegungen von ebenfalls circa 3 % auf 409.000. Das Passagier- und Bewegungswachstum soll wesentlich durch die Stationierung von insgesamt sieben neuen Flugzeugen der Lufthansa-Group (Lufthansa drei und Eurowings vier Flugzeuge) getragen werden. Zudem wird von einem weiteren Wachstum bei bestehenden Netzwerk- und Low-Cost-Airlines ausgegangen.

Neben der prognostizierten positiven Verkehrsentwicklung wird die geplante Erhöhung der Entgelte um 3 % gemäß Entgeltrahmenvereinbarung zu einem deutlichen Anstieg der Aviation-Erlöse im Jahr 2017 führen.

Aufgrund eines Neukundengewinns am Standort Berlin werden 2017 die Erlöse aus Ground Handling deutlich steigen.

Die prognostizierte Passagierzunahme wirkt in der Regel auch positiv auf die Non-Aviation-Erlöse. So werden die Umsätze aus Einzelhandel, Gastronomie sowie dem Kerngeschäft Services und Parken gegenüber 2016 zulegen. Im Einzelhandel erwartet man sich, abgesehen von einem verkehrsbedingten Umsatzwachstum, zusätzlich positive Effekte aufgrund von Umbaumaßnahmen und einer Erweiterung von Verkaufsflächen im Terminal 2.

Durch die Inbetriebnahme des neuen Satellitengebäudes Ende April 2016 wurde die Abfertigungskapazität im Terminal 2 deutlich verbessert und die Voraussetzungen für langfristiges Wachstum geschaffen. Dies soll sich vor allem positiv auf die Entwicklung der Umsatzerlöse im Gastronomiebereich auswirken, da im Satellitengebäude die gastronomischen Angebote mit circa 70 % zum größten Teil konzerneigen betrieben werden. Auch die ganzjährige Nutzung der im Satellitengebäude zusätzlich geschaffenen Werbeflächen und fremdvermieteten Gewerbeflächen soll 2017 zu einem Umsatzanstieg führen.

Weiteres Wachstum erwartet die Geschäftsführung durch die Inbetriebnahme des Hotelanbaus im ersten Halbjahr 2017 sowie aus dem Um- und Neubau des Konferenzzentrums.

Aufgrund der außerordentlich hohen Erträge aus Grundstücksveräußerungen im abgelaufenen Geschäftsjahr werden die sonstigen betrieblichen Erträge 2017 stark zurückgehen. Das Geschäftsfeld Real Estate plant für 2017 mit deutlich geringeren Erträgen aus Grundstücksverkäufen.

Der Trend zu steigenden Materialaufwendungen wegen des zunehmenden Sanierungs-, Umbau- und Optimierungsbedarfs bei den Bestandsimmobilien wird sich im Geschäftsjahr 2017 weiter fortsetzen. Zudem wird sich der Materialaufwand aufgrund eines Neukundengewinns am Standort Berlin deutlich erhöhen.

2017 wird der Flughafen München seine Projekte zur Immobilienentwicklung weiter vorantreiben.

Ebenso rechnet die Geschäftsführung mit einem Anstieg des Personalaufwands infolge von Tarifsteigerungen im TVöD. Darüber hinaus werden, bedingt durch Verkehrswachstum und Leistungserweiterung im Ground Handling sowie zur Verbesserung von Service und Qualität bei der Passagierabfertigung, zusätzliche Mitarbeiterkapazitäten aufgebaut.

Der sonstige betriebliche Aufwand wird 2017 unter anderem wegen einer Erhöhung des Budgets für unvorhergesehene Maßnahmen sowie geplanter Kommunikationsprojekte steigen.

Im Gegensatz dazu werden die planmäßigen Abschreibungen 2017 deutlich zurückgehen. Dies ist dadurch begründet, dass im kommenden Geschäftsjahr einzelne Komponenten von Gebäuden – unter anderem beim Terminal 1 – aus der Abschreibung entfallen werden. Dieser Effekt wird jedoch leicht abgeschwächt durch die erstmalige ganzjährige Abschreibung des Satellitengebäudes.

Die aktuelle Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank wirkt sich auch 2017 positiv auf das Finanzergebnis des Flughafens München aus. Darüber hinaus erwartet die Geschäftsführung aus der Ende 2016 durchgeführten Anschlussfinanzierung des Konsortialkredits eine deutliche Zinsersparnis.

Insgesamt rechnet der Flughafen München mit einem leichten Anstieg des EBT zwischen 1,0 % und 5 %.

Prognostizierte finanzielle und nicht-finanzielle Leistungsindikatoren

  2016 2016
  Ist   Prognose
      von bis
      % %
EBT in TEUR 209.873 Anstieg 1,0 5,0
CO2-Einsparungen in Tonnen 5.324 Anstieg 228,1 233,1
Passagiererlebnisindex Abflug 1) 82,02 Anstieg 0,5 1,0
Passagiererlebnisindex Ankunft 1) 79,85 Anstieg 0,5 1,0
Mitarbeiterbindungsindex 2) in % 73 unverändert    
1) Der Passagiererlebnisindex ersetzt den ASQ Overall Index. Dieser wird seit 9. März 2016 erhoben.
2)
Der Mitarbeiterbindungsindex wird alle drei Jahre erhoben. Der angegebene Wert resultiert aus der letzten Erhebung 2013.

Die am Flughafen München installierten PCA-Anlagen werden nach und nach in den Normalbetrieb übernommen. Dies wird zu signifikanten CO2-Einsparungen führen. Zusätzlich sollen auch weitere Effizienzmaßnahmen zur Verringerung des Energiebedarfs vor allem bei Beleuchtung, Raumlufttechnik, im IT-Bereich sowie im Gebäude- und Anlagenbestand umgesetzt werden.

Der Flughafen München wird künftig den ASQ Overall Index zum Benchmark mit anderen europäischen Hub-Airports beibehalten. Als nicht-finanzielle Zielgröße wird ihn jedoch der sogenannte Passagiererlebnisindex (PEI) ablösen. Der PEI erlaubt es dem Flughafen München, standortspezifische, an die Bedürfnisse der Zielgruppen angepasste Zielwerte abzuleiten und die Handlungsfelder zur Leistungsverbesserung den vorhandenen Kundenkontaktpunkten zuzuweisen. Zu den kontinuierlichen Verbesserungsmaßnahmen in puncto Passagierzufriedenheit werden 2017 unter anderem Verbesserungen beim Zugang zum kostenlosen WLAN, die Stärkung der Gastgeberrolle des Flughafens durch intensivere Serviceschulungen sowie Prozessoptimierungen entlang des Passagierprozesses zählen. Insgesamt wird mit einem Plus von 0,5 % bis 1,0 % bei der Zufriedenheit sowohl bei den abfliegenden wie auch bei den ankommenden Passagieren gerechnet.

Zur Bestimmung der Mitarbeiterzufriedenheit werden 2017 konzernweit alle Mitarbeiter befragt. Aufgrund unterschiedlicher Einflussfaktoren ist es derzeit schwierig, eine verlässliche Schätzung der Entwicklung dieser Kennzahl abzugeben. Der Flughafen München geht aber für die Befragung 2017 von einer unveränderten Entwicklung aus. Im Zuge dieser Befragung wird nach derzeitiger Planung der Mitarbeiterbindungsindex durch eine neue konzernweite Steuerungskennzahl ersetzt.

Hinsichtlich der Vermögens- und Finanzlage erwartet die Geschäftsführung trotz der geplanten hohen Investitionen in die Erweiterung und Modernisierung des Terminals 1, des Neubaus der Parkpalette P51 sowie des Starts von LabCampus einen positiven Free Cashflow für 2017. Auf der Aktivseite werden die geplanten Investitionen die laufenden Abschreibungen übersteigen und zu einem Anstieg der langfristigen Vermögenswerte führen. Auf der Passivseite bleiben die sonstigen Finanzschulden im Vergleich zu 2016 nahezu konstant. Kurzfristige Verbindlichkeiten, die für den Bau des Satellitengebäudes aufgebaut wurden, werden sich 2017 deutlich reduzieren und den operativen Cashflow belasten.

Risiken- und Chancenbericht

Risikomanagementsystem

Die Geschäftsführung der FMG und aller Tochter- und Beteiligungsgesellschaften ist für die Früherkennung und Abwendung von Risiken, die den Fortbestand des Verkehrsflughafens und der Beteiligungen gefährden, verantwortlich. Die Konzernleitung trägt die Gesamtverantwortung für ein effektives Risikomanagementsystem und legt mit der Kommunikation und Definition der Unternehmensstrategie und -ziele die wesentliche Grundlage dafür fest. Sie formuliert Vorgaben für den Prozess und die organisatorische Ausgestaltung des Risikomanagements.

Mit dem Risikomanagementsystem sollen Ereignisse und Entwicklungen, die sich negativ auf die strategische und operative Zielerreichung auswirken können, rechtzeitig erkannt und geeignete Gegensteuerungsmaßnahmen entwickelt werden. Es berücksichtigt alle Dimensionen der unternehmerischen Tätigkeit – sowohl ökonomische als auch ökologische und gesellschaftliche.

Als zusätzliche unterstützende Steuerungs-, Kontroll- und Überwachungsinstanz innerhalb des Risikomanagementsystems wurde 2016 der Risikomanagementausschuss eingerichtet. Als ranghöchstes Organ des Risikomanagements ist er direkt der Geschäftsführung untergeordnet und besteht aus dem Geschäftsführer Finanzen und Infrastruktur, den Leitern der Geschäftsbereiche Aviation, Commercial Activities und Real Estate, den Leitern der Konzernbereiche Recht, Gremien, Compliance und Umwelt, Konzernentwicklung, Konzerncontrolling und Beteiligungsmanagement, Unternehmenskommunikation sowie dem Risikomanager. Die Leitung Compliance ist im Risikomanagementausschuss als Gast beteiligt. Aufgabe des Risikomanagementausschusses ist es, die Risiken aus Konzernperspektive zu analysieren und die Wirksamkeit von Gegenmaßnahmen zu überwachen. Er unterstützt bei der Entwicklung des Risikomanagementsystems sowie der Risikoidentifikation, -beurteilung und -steuerung. Der Risikomanagementausschuss tagt vierteljährlich und beschließt den Risikobericht, der anschließend der Geschäftsführung vorgelegt wird.

Aufgrund der Weiterentwicklung des Risikomanagements und einer Ausrichtung des Risikomanagements auf das international anerkannte Rahmenmodell »COSO ERM« (Committee of Sponsoring Organisations of the Treadway Commission – Enterprise Risk Management) wurde 2016 die Risikomanagementrichtlinie überarbeitet. Zum 1. April 2016 ist die neue Risikomanagementrichtlinie für den Flughafen München Konzern in Kraft getreten. Die Richtlinie regelt die allgemeinen Grundsätze des Risikomanagements im Konzern sowie die Aufgaben und Verantwortlichkeiten der im Risikomanagement beteiligten Funktionsträger.

Der Risikomanagementprozess umfasst die nachfolgenden Schritte. Zur Unterstützung des Risikomanagementprozesses ist systemseitig eine Koordinations- und Kommunikationsplattform eingerichtet.

Identifikation und Kommunikation von Risiken

Alle Bereichsleiter und Geschäftsführer der Tochter- und Beteiligungsgesellschaften sind für die Identifikation und Bewertung von Risiken verantwortlich. In den jeweiligen Bereichen definiert der Risikoverantwortliche Risikobetreuer, die für die Koordination, Verwaltung, Dokumentation und Weitergabe aller risikorelevanten Informationen des jeweiligen Bereichs sorgen. Die zentrale Koordination der Risikomanagementaktivitäten im Konzern ist Aufgabe des Risikomanagers. Er prüft die Risikomeldungen der Bereiche auf Plausibilität und Einhaltung der konzernweiten Standards zur Risikobewertung. Der Risikomanager fasst die Einzelmeldungen der Bereiche in einem Risikobericht unter Berücksichtigung der Wesentlichkeit für den Konzern zusammen und berichtet vierteljährlich an die Geschäftsführung und Gesellschafter. Zudem besteht für erstmals identifizierte existenzgefährdende Risiken eine Ad-hoc-Berichtspflicht an die Geschäftsführung.

Als Grundlage für einen bewussten Umgang mit Risiken ist jeder einzelne Mitarbeiter in das unternehmensweite Risikomanagement involviert. Jeder Mitarbeiter trägt die Verantwortung, Gefahren in seinem Bereich zu beseitigen und Hinweise auf bestehende Risiken unverzüglich an seinen Vorgesetzten zu melden.

Bewertung von Risiken

Die systematische Risikobewertung ermöglicht es festzustellen, in welchem Umfang die einzelnen Risiken die Erfüllung der Unternehmensziele und -strategien des Flughafens München gefährden und welche Risiken sich möglicherweise bestandsgefährdend auswirken können. Dazu werden die Faktoren Schadenshöhe und Eintrittswahrscheinlichkeit in einer zweidimensionalen Risikomatrix dargestellt. Die Schadenshöhe beschreibt, mit welchem Ergebniseffekt bei Eintritt des Schadensereignisses zu rechnen ist. Der Flughafen München unterscheidet dabei zwischen den vier Schadensklassen »gering«, »mittel«, »hoch« und »sehr hoch«. Die Eintrittswahrscheinlichkeit wird in die vier Kategorien »niedrig (5–10 %)«, »moderat (10– 25 %)«, »wesentlich (25–50 %)« und »akut (>50 %)« eingeteilt. Bei im Zeitverlauf wiederkehrenden Ereignissen wird mit der Eintrittshäufigkeit gearbeitet. Eine wesentliche Eintrittshäufigkeit bedeutet, dass mit dem Eintreten eines Schadens innerhalb von zwei Geschäftsjahren gerechnet werden muss. Zunächst erfolgt die Bewertung ohne Berücksichtigung von Maßnahmen zur Risikobegrenzung (Brutto-Risiken). Anschließend werden die Risiken nach Einleitung beziehungsweise Umsetzung von risikomindernden Maßnahmen bewertet (Netto-Risiken).

Risikohandhabung

Ausgehend von der Risikoanalyse werden im Einklang mit der Unternehmensstrategie und ökonomischen Aspekten geeignete Gegenmaßnahmen zur Risikohandhabung festgelegt. Zu den Strategien der Risikobewältigung zählen: kontrollieren, versichern, minimieren, eliminieren und abwälzen. Die Risikoverantwortlichen haben die Aufgabe, Gegenmaßnahmen zur Bewältigung von Risiken in dem jeweilis betroffenen Bereich festzulegen und umzusetzen.

Risikoüberwachung

Der Risikomanager überwacht kontinuierlich die Effektivität des Risikomanagements. Zudem erfolgt eine separate Überwachung durch die interne Revision.

Compliance-Management-System

Compliance beinhaltet die Einhaltung aller für den Flughafen relevanten Gesetze, Vorschriften und Vorgaben, nationaler und internationaler Normen und Standards sowie unternehmensinterner Regelungen und Richtlinien. Der Flughafen München hat dazu ein konzernweites Compliance-Management-System eingerichtet, das die Gesamtheit aller organisatorischen Vorkehrungen, mit denen die Einhaltung der genannten Regeln gewährleistet werden kann, umfasst.

Die Konzerneinheit Compliance berichtet regelmäßig an die Geschäftsführung und jährlich an den Aufsichtsrat über den aktuellen Stand des Compliance-Management-Systems.

Darüber hinaus werden Compliance-Risiken bei Überschreiten der internen Schwellenwerte im Rahmen der Risikoberichterstattung an die Geschäftsführung und die Gesellschafter kommuniziert. Es findet ein regelmäßiger Austausch zwischen Risikomanagement und Compliance statt.

Compliance-Risiken erkennen und minimieren

Die Konzerneinheit Compliance erstellt jährlich gemeinsam mit den Bereichen die Compliance-Risikoanalyse und führt sie mit den Compliance-Risikoanalysen der Tochtergesellschaften zusammen.

Die Bewertung der Compliance-Risiken erfolgt analog zum Risikomanagement. Nach Abschluss der Compliance-Risikoanalyse wird die Geschäftsführung in einem Bericht über die Ergebnisse informiert.

Im Jahresbericht Compliance an den Aufsichtsrat der FMG wird ebenfalls über die Ergebnisse der Compliance-Risikoanalyse informiert. Liegen für ein Risiko trotz aller ergriffenen Gegenmaßnahmen ein hohes Schadenspotenzial und gleichzeitig eine hohe Eintrittswahrscheinlichkeit vor, wird dies näher im Bericht beleuchtet.

Für 2016 bleiben nach Berücksichtigung der getroffenen Gegenmaßnahmen keine erheblichen Compliance-Risiken bestehen.

Korruptionsprävention

Die Compliance-Grundsätze und die Geschenke-/Einladungsrichtlinie unterstützen Führungskräfte und Beschäftigte bei einem gesetzeskonformen und ethischen Verhalten am Arbeitsplatz. Sie sind im Intranet veröffentlicht und somit allen Beschäftigten zugänglich. Darüber hinaus verweisen die Grundsätze auf die Beachtung weiterer Richtlinien, die beispielsweise die Einhaltung des öffentlichen Vergaberechts bei Beschaffungs- und Vergabevorgängen, die Datenschutzorganisation oder die Informationssicherheit sicherstellen. Dadurch werden Prozessabläufe intern und extern transparent und nachvollziehbar. Bei Vergaben und Ausschreibungsverfahren fordert der Flughafen München von Bietern eine Verpflichtungserklärung, alle erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um Korruption zu vermeiden. Bei Verstößen sind Sanktionen vorgesehen, zum Beispiel der Ausschluss von der Auftragsvergabe.

Die Position des Antikorruptionsbeauftragten wird durch die Leitung der Konzerneinheit Compliance wahrgenommen. Für das Jahr 2016 sind keine bestätigten Korruptionsfälle im Konzern bekannt.

Kommunikation und Schulung

Eine Kernaufgabe der Konzerneinheit Compliance ist die Schulung und Beratung der Beschäftigten und der Führungskräfte in Compliance-Fragen, um so Compliance-Verstöße bereits präventiv zu verhindern.

Alle Mitarbeiter und Führungskräfte werden regelmäßig mit den Compliance-Dokumenten sowie mit ihren Aktualisierungen und Neuerungen vertraut gemacht. Sie müssen deren Kenntnisnahme jährlich persönlich gegenzeichnen.

2016 nahmen im Rahmen des Leadership-Excellence-Programms 71 Führungskräfte des Flughafen München Konzerns am dreistündigen Impulsmodul Compliance teil. Dieses beinhaltet neben den rechtlichen Grundlagen und der Verantwortung der Führungskräfte auch die spezifischen Vorgaben des Flughafen München Konzerns zum Thema Compliance und Korruptionsprävention. Seit Start des Moduls Ende 2013 wurden insgesamt 467 Personen geschult.

Neben der Schulung für Führungskräfte wird für Mitarbeiter eine einstündige webbasierte Schulung zum Thema Compliance angeboten. Sie umfasst Compliance-Themen wie Geschenke und Einladungen, Nebentätigkeit, Interessenkollision oder Datenschutz und deren Umsetzung im Arbeitsalltag, dargestellt an konkreten Beispielen. Hieran haben von Februar 2015 bis Ende 2016 3.555 Beschäftigte erfolgreich teilgenommen. Mitarbeiter, die keinen Zugang zu einem Dienst-PC hatten, wurden in Präsenzveranstaltungen zum Thema Compliance geschult. Hieran nahmen im genannten Zeitraum zusätzlich knapp 4.000 Mitarbeiter teil.

Die Teilnahme an Compliance-Schulungen wird dokumentiert und geht auch in das persönliche Qualifikationsprofil der Mitarbeiter ein.

Geschäftsführung und Aufsichtsrat befassen sich in regelmäßigen Abständen mit dem Thema Compliance.

Elektronisches Hinweisgebersystem

Über ein elektronisches Hinweisgebersystem, das Business Keeper Monitoring System (BKMS®), können Mitarbeiter des Flughafens München, Geschäftspartner und auch Kunden Hinweise auf unternehmensschädigendes Verhalten geben. Daneben steht die Konzerneinheit Compliance internen und externen Personen auch über weitere Kommunikationswege (Telefon, E-Mail, persönliches Gespräch) als Ansprechpartner bei Hinweisen auf Compliance-Verstöße und zur Beratung zur Verfügung. In den Ausschreibungsunterlagen werden die Interessenten über die Möglichkeit zur Nutzung des BKMS® bei Verdacht auf einen Compliance-Verstoß informiert.

Datenschutz

Der Datenschutzbeauftragte des Flughafens München gehört organisatorisch der Konzerneinheit Compliance an, übt seine Tätigkeit jedoch weisungsfrei aus und ist unmittelbar der Geschäftsführung unterstellt. Erstschulungen der neuen Mitarbeiter beziehungsweise Auszubildenden sowie periodische Weiterbildungsmaßnahmen der Beschäftigten im Datenschutzrecht und zur Datensicherheit haben zur Sensibilisierung hinsichtlich datenschutzrechtlicher Bestimmungen beigetragen. Darüber hinaus ist in Einzelfällen eine fachliche und individuelle Beratung gewährleistet, die die Sicherheit im Umgang mit Datenschutzregelungen unterstützt.

Verstöße gegen den Schutz von Kundendaten beziehungsweise ein Verlust solcher Daten sind nicht bekannt.

Risiken

Im Folgenden werden die Risiken erläutert, die einen wesentlichen Einfluss auf die Geschäftstätigkeit beziehungsweise auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage sowie die Reputation des Flughafens München ausüben könnten. Die Risiken werden jeweils vor und nach Berücksichtigung geeigneter Gegenmaßnahmen dargestellt.

Die Risikobetrachtung bezieht sich auf die wirtschaftliche Belastung im angegebenen Betrachtungszeitraum. Zum 31. Dezember 2016 wurden für den Flughafen München folgende wesentliche Brutto-Risiken identifiziert:

Übersicht Brutto-Risiken

Grafik: Übersicht Brutto-Risiken

Risiken aus dem Eintritt von Ereignissen höherer Gewalt

Risiko Beschreibung und Analyse Gegenmaßnahme(n)
Naturkatastrophen Ein durch Starkregen bedingter Bruch der Isardämme bei Freising könnte zu einer Überflutung der Terminals führen. Sukzessive Erneuerung der Isardämme durch das Wasserwirtschaftsamt. In Teilen sind diese bereits saniert. Die Ereignisse Erdbeben, Sturm, Hagel und Hochwasser sind versichert.
Anschlag auf den Luftverkehr Die Gefahr terroristischer Anschläge auf den Luftverkehr besteht unverändert fort. Auch nach den Anschlägen in Brüssel und Istanbul wird derzeit in Deutschland nicht von einer konkreten Gefährdungslage ausgegangen. Neben Personen- und Sachschäden wäre als Folge zumindest kurzfristig mit einem Rückgang von Flugbewegungen und Passagieren zu rechnen. Aufrechterhaltung des hohen Sicherheitsstandards durch Vorhaltung ausreichender und gut ausgebildeter Personalressourcen sowie durch bauliche Maßnahmen zur Gewährleistung moderner und zugelassener Sicherheitstechnik und Infrastruktur. Überwachung der Dienstleistungsqualität durch nachhaltige Qualitätsmaßnahmen sowie ständiger Austausch mit den zuständigen Sicherheitsbehörden. Personen- und Sachschäden sowie Betriebsunterbrechungen sind versichert.
Terror am Standort Durch terroristische Handlungen auf dem Flughafen-Campus besteht das Risiko von Personen- und Sachschäden. Eine weitere Folge solcher Ereignisse wäre zumindest kurzfristig ein Rückgang von Flugbewegungen und Passagieren. Aufrechterhaltung des hohen Sicherheitsstandards durch Vorhaltung ausreichender und gut ausgebildeter Personalressourcen sowie durch bauliche Maßnahmen zur Gewährleistung moderner und zugelassener Sicherheitstechnik und Infrastruktur. Überwachung der Dienstleistungsqualität durch nachhaltige Qualitätsmaßnahmen sowie ständiger Austausch mit den zuständigen Sicherheitsbehörden. Personen- und Sachschäden sowie Betriebsunterbrechungen sind versichert.
Wahrnehmung von Sicherheitsaufgaben Für Sicherheitsaufgaben in überlassenen Bereichen sind die Luftfahrtunternehmen verantwortlich. Luftfahrtunternehmen erfüllen in diesen Bereichen die gleiche Aufgabe wie Flughafenbetreiber, unterliegen jedoch nicht der gleichen Aufsichtsbehörde. Für den Flughafen München besteht das Risiko, dass im Rahmen von Inspektionen Mängel in überlassenen Bereichen aufgedeckt werden und dadurch der Flughafen insgesamt seinen Sicherheitsstatus verliert. Fehlerhaftes Kontrollverhalten könnte zu Sach- und Personenschäden sowie Reputationsverlust führen. Aktuell ist ein Konzernunternehmen des Flughafens München mit der Wahrnehmung operativer Sicherheitsaufgaben in den überlassenen Bereichen beauftragt.
Markteinbruch durch Seuche/Krankheit Der Ausbruch von Epidemien/Krankheiten kann zu Markteinbrüchen mit reduzierten Flugbewegungen und Passagierzahlen führen. Aufgrund eines vergleichsweise hohen Fixkostenanteils kann der Flughafen München auf Markteinbrüche nur in begrenztem Ausmaß reagieren.
Großbrand Im Falle einer Beschädigung oder Zerstörung von Terminals oder Infrastrukturanlagen durch einen Großbrand ist mit Sach- und Personenschäden sowie bedeutenden und langfristigen Betriebsunterbrechungen zu rechnen. Zur Minimierung des Großbrandrisikos unterhält der Flughafen München entsprechende technische Warnvorrichtungen und eine Werkfeuerwehr. Personen- und Sachschäden sowie Betriebsunterbrechungen sind versichert.
Flugunfall Flugunfälle oder Schäden an Flugzeugen können zu Personen- und Sachschäden sowie Betriebsunterbrechungen und Folgeschäden führen. Zur Minimierung des Risikos unterhält der Flughafen München eine Werkfeuerwehr, einen medizinischen Dienst und ein Seelsorgeteam. Das Risiko Flugunfall ist durch Haftpflichtversicherungen und Kaskoversicherungen minimiert.

Marktrisiken

Risiko Beschreibung und Analyse Gegenmaßnahme(n)
Verlust/Beeinträchtigung Hub Ändert die DLH ihre Strategie, den Flughafen als Hub auszubauen, hätte dies enorme Rückgänge in der Fluggast- und der Flugbewegungsentwicklung zur Folge. Die Zusammenarbeit des Flughafens München mit der DLH beruht auf gemeinschaftlichen Investitionen und langfristigen Kooperationsabkommen.
Wirtschaftliche Schwierigkeiten von Airlines Die europäische Luftverkehrsbranche befindet sich in einer schwierigen Wettbewerbssituation. Auch am Flughafen München operierende Luftfahrtgesellschaften sind hiervon betroffen. Durch kontinuierliches Anwerben neuer Kunden sollen eventuelle Rückgänge bei den Bestandskunden kompensiert werden.
Konjunktur Als Folge einer schwachen Konjunktur können die im Planungsprozess unterstellten Wachstumsparameter nicht erreicht werden, was sich verschlechternd auf die Ergebnisentwicklung auswirkt. Während größerer Wirtschaftskrisen kann es zu einem Zusammenbruch der Kreditfinanzierungsmärkte kommen. Die Reduzierung der Ausgaben mittels Kostenmonitoring, gegebenenfalls sozial verträglicher Personalabbau sowie eine kurzfristige Kürzung des Investitionsbudgets in nicht kritischen Bereichen sollen die Folgen von Konjunktureinbrüchen mindern. Zur Sicherung der Zahlungsfähigkeit bestehen revolvierende Kreditlinien.

Betriebliche Risiken

Risiko Beschreibung und Analyse Gegenmaßnahme(n)
EASA-Zertifizierung Ohne Erteilung des European Aviation Safety Agency (EASA)-Zertifikats könnte der Flughafen München seine Betriebsgenehmigung verlieren. Die Zertifizierung soll spätestens bis zum 1. Januar 2018 erfolgen. Aufgrund der fortschreitenden Vorbereitungen auf die EASA-Zertifizierung im Jahr 2016 steht zum 31. Dezember 2016 das Risiko einer längeren Flughafenschließung nicht mehr im Vordergrund. Aufgrund noch ausstehender behördlicher Forderungen können allerdings Kosten für die Änderung flugbetriebsrelevanter Infrastruktur und Anlagen entstehen. Mittels Priorisierung der EASA-Aktivitäten, Unterstützung des Safety- und Risiko-Assessments durch externe Berater sowie laufender Abstimmung mit der Genehmigungsbehörde soll eine gute Ausgangssituation für die Zertifizierung geschaffen werden.
IT-Ausfall Aufgrund von Brand, Wassereinbruch und Sabotage kann ein Schaden am IT-System entstehen. Ein Ausfall der IT für den Verkehrsbetrieb mit entsprechenden Betriebsunterbrechungen wäre die Folge. Die unternehmenskritischen IT-Systeme sind grundsätzlich redundant und an räumlich getrennten Standorten untergebracht. Sachschäden und Betriebsunterbrechung sind versichert.
Wasserschaden Ein Wasserschaden durch den Bruch von Trink- oder Löschwasserhauptleitungen kann zu einem Ausfall von wichtigen Infrastrukturanlagen für den Flugbetrieb führen. Ferngesteuerte Notabschiebeeinrichtungen und zusätzliche Sicherungen der Rohrverbindungen begrenzen einen möglichen Schaden. Sachschäden und Betriebsunterbrechung sind versichert.
Ausweitung der EU-weiten Sicherheitsvorgaben Europäische Auflagen zur Luftsicherheit machen eine schrittweise Erweiterung der Anlagen für die Personen- und Gepäckkontrollen an Flughäfen erforderlich. Daraus resultierende Umbaumaßnahmen verursachen Kosten. Je nach Ausgestaltung kann durch den Umbau vermietbare Fläche verloren gehen. Der Flughafen München führt Optimierungsmaßnahmen durch, die den Flächenverlust minimieren.
Nichtbestehen einer EU-Sicherheitsinspektion Die Luftfahrtbehörden der EU führen Sicherheitsinspektionen an Flughäfen durch. Führt eine Inspektion zu erheblichen Beanstandungen, verliert der Flughafen München seinen Sicherheitsstatus. Die Folgen wären eine Erhöhung der Sicherheitsauflagen, erhebliche Behinderung in den betrieblichen Prozessen, Wettbewerbsnachteile sowie Imageverlust. Der Flughafen München führt ein durchgängiges und strenges Qualitätsmanagement zur Steuerung der Qualität aller Sicherheitsaspekte am Flughafen München durch.
Ver- und Entsorgung Die unzureichende Verfügbarkeit von betriebsnotwendigen Stoffen wie Strom, Wärme, Kälte, Trink- und Löschwasser, Abwasser und Abfall kann zu Sachschäden und Betriebsunterbrechungen führen. Wartung und Instandhaltung, Netzredundanzen und Bevorratung reduzieren das Risiko von Versorgungslücken. Sachschäden und Betriebsunterbrechung sind versichert.
Sanierung Ground Handling Der Erfolg der Sanierung des ehemaligen Geschäftsbereichs Ground Handling könnte durch folgende ungewisse Ereignisse und Umstände gefährdet werden: Abfertigungsverträge werden nicht verlängert, das Auftragsvolumen bei Bestandskunden geht zurück, die aggressive Preispolitik führt zu Auftragsverlusten. Die Profitabilität und Wettbewerbsfähigkeit der AeroGround werden kontinuierlich verbessert. Ende 2016 konnte sich AeroGround mit ihrem Hauptkunden zu wesentlichen Bedingungen des Abfertigungsvertrags für die nächsten sieben Jahre einigen. Dadurch konnten einhergehende Sanierungstarifverträge verlängert werden. Der Sanierungsfortschritt wird laufend überwacht.
Fehlstunden Durch personelle Engpässe bei einem Konzernunternehmen des Flughafens München könnte es zu Qualitätsverlusten bei Personal- und Warenkontrollen sowie der Alarmverfolgung kommen; Verzögerungen im Betriebsablauf wären möglich. Die CAP beauftragt Drittunternehmen mit der Übernahme von Sicherheitsdienstleistungen, um fehlende Kapazitäten vorübergehend auszugleichen. Es wird fortlaufend Personal eingestellt und zu Luftsicherheitskontrollkräften ausgebildet.

Rechtliche Risiken

Risiko Beschreibung und Analyse Gegenmaßnahme(n)
Dritte Start- und Landebahn Für den Fall, dass das Projekt zur dritten Start- und Landebahn endgültig eingestellt oder um einen erheblichen Zeitraum verschoben werden muss, sind alle bisher angefallenen Planungs- und Grunderwerbskosten auf ihre Werthaltigkeit hin zu überprüfen und gegebenenfalls abzuschreiben. Ohne Kapazitätserweiterung durch den Bau der dritten Start- und Landebahn könnte es zu einem signifikanten Unternehmenswertverlust kommen. Auf Basis aktueller Flugbewegungszahlen soll im Frühjahr 2017 erneut über das Ausbauprojekt beziehungsweise einen gegebenenfalls neuen Bürgerentscheid entschieden werden. Der positive Gerichtsbeschluss vom 19. Februar 2014 war ein wichtiger Meilenstein im Hinblick auf die Begrenzung der rechtlichen Risiken für die Projektumsetzung. Darüber hinaus setzt sich der Flughafen München in der Politik für die Ausbaumaßnahmen ein. Die fundierte Überzeugungsarbeit für die dritte Start- und Landebahn wird weitergeführt.
Flächenenteisungsmittel Es wird vermutet, dass die gegenwärtig verwendeten Flächenenteisungsmittel die Oxidation von Flugzeugbremsen beschleunigen. Im internationalen Normierungsgremium SAE (Society of Automobile Engineers) wird über ein Verbot dieser Mittel diskutiert. Im Falle eines Verbots müsste der Flughafen München zur Einhaltung der wasserrechtlichen Auflagen erhebliche Investitionen in Abwassersysteme vornehmen. Gemeinsam mit anderen deutschen Flughäfen argumentiert der Flughafen München gegen ein Verbot der Enteisungsmittel.

Für die nachfolgend aufgeführten Brutto-Finanzrisiken lag zum 31. Dezember 2016 die erwartete wirtschaftliche Belastung unter der Meldegrenze. Sie gingen daher nicht in die Risikoberichterstattung ein.

Finanzrisiken

Risiko Beschreibung und Analyse Gegenmaßnahme(n)
Währungsrisiken Soweit geplanten Umsätzen in Fremdwährungen keine entsprechenden währungskongruenten Ausgaben gegenüberstehen, ergeben sich Währungsrisiken. Währungsrisiken sichert der Flughafen München mit Devisentermingeschäften ab.
Kredit- und Bonitätsrisiken Kredit- und Bonitätsrisiken entstehen vor allem aus kurzfristigen Geldanlagen sowie Forderungen aus Lieferungen und Leistungen. Geldanlagen erfolgen in der Regel nur bei deutschen Kreditinstituten, die einer Einlagensicherung unterliegen. Zum Management von Bonitätsrisiken gehören eine Bonitätsprüfung der Kunden, eine stetige Überwachung der offenen Posten und ein stringentes Mahnwesen. In Abhängigkeit von der Bonität werden bestimmte Aufträge nur gegen Vorauszahlung oder Stellung von Sicherheiten in Form von Bürgschaften erbracht.
Zinsrisiken Zinsrisiken ergeben sich im Wesentlichen aus variabel verzinsten Finanzverbindlichkeiten. Zinsrisiken begegnet der Flughafen München durch Absicherung mit Zinspayer-swaps.

Nach Berücksichtigung der Gegenmaßnahmen verbleiben folgende Netto-Risiken:

Übersicht Netto-Risiken

Grafik: Übersicht Netto-Risiken

Chancen

Die Bereiche und Beteiligungen identifizieren, bewerten und steuern Chancen dezentral mit Unterstützung durch die Unternehmensbereiche Konzernentwicklung sowie Konzerncontrolling und Beteiligungsmanagement.

Im Folgenden werden Entwicklungen und Ereignisse aufgezeigt, die zu einer positiven Abweichung von der Planung führen könnten. Die Darstellung orientiert sich am Risikobericht, mit dem Unterschied, dass die horizontale Achse Fristigkeiten – also den zeitlichen Erwartungshorizont zum Eintritt und der Wirkungsdauer von Chancen – und nicht die Eintrittshäufigkeiten darstellt. Mehrfachnennungen verdeutlichen eine Wirkungsdauer, die sich über mehrere Intervalle erstreckt.

Übersicht Chancen

Grafik: Übersicht Chancen

Chancen

Chancen Beschreibung und Analyse
Konsum Die Bewältigung gegenwärtig bestehender geopolitischer und finanzwirtschaftlicher Krisen könnte zu einer Steigerung der Konsumneigung der Fluggäste aus Regionen außerhalb Europas über das berücksichtigte Niveau hinaus führen.
Konjunktur Eine Steigerung des Wirtschaftswachstums über das berücksichtigte Niveau hinaus könnte zu einer höheren Zunahme der Umsatzerlöse führen.
Verkehr Eine Steigerung des Luftverkehrswachstums über das erwartete Niveau hinaus könnte zu Umsatzsteigerungen in allen Unternehmensbereichen führen.
Hub-Entwicklung Die wichtige Partner-Airline DLH könnte durch interne Optimierungsbemühungen ihre Marktposition verbessern, was zu einem verstärkten Ausbau des Drehkreuzes am Standort Flughafen München und damit zu einer Passagierentwicklung über Plan führen könnte.
Digitalisierung Der Flughafen München verfolgt die Strategie, das Geschäftsmodell des Flughafens besser an den Strukturwandel infolge der Digitalisierung anzupassen. Die potenziellen mittel- und langfristigen Wachstumseffekte aus dieser Strategie wurden bisher nicht in vollem Umfang berücksichtigt.
Off-Campus Das Off-Campus-Geschäft des Flughafens München (Dienstleistungen und Handel) könnte sich besser entwickeln als erwartet, mit entsprechendem Wachstum des Konzernergebnisses.
Real Estate Die Aktivitäten im Geschäftsbereich Real Estate könnten auf lange Sicht über das geplante Maß hinaus verstärkt werden, was zu einer Umsatzsteigerung in diesem Geschäftsfeld führen würde.
CO2-Strategie Die fortschreitende Effizienzsteigerung bei energiesparenden Technologien und ein damit verbundenes besseres Preis-Leistungs-Verhältnis bei der emissionsarmen Energieerzeugung könnten dazu führen, dass die Kosten der neuen CO2-Strategie des Flughafens München das erwartete Niveau unterschreiten.
Schienenanbindung Eine Verbesserung der Schienenanbindung über das erwartete Maß hinaus könnte zu einer Erweiterung des Passagiereinzugsgebiets und damit zu einer Steigerung des Umsatzes in allen Geschäftsfeldern führen.

Gesamtaussage zur Chancen- und Risikosituation

Für den Flughafen München als zweitgrößten Verkehrsflughafen in Deutschland und einen der größten Airports in Europa ist es wichtig, sich bietende Chancen aktiv zu nutzen, um durch ein stetiges Wachstum seine Position am Markt weiter zu verbessern. Aber auch Risiken rechtzeitig zu erkennen und ihnen systematisch entgegenzuwirken, ist ein zentrales Ziel des Flughafens München.

So wird jedes Jahr die aktuell erwartete Wirkung möglicher Ereignisse und Entwicklungen bereits in der Geschäftsplanung berücksichtigt. Die berichteten Chancen und Risiken sind als über das prognostizierte Unternehmensergebnis hinausgehende potenzielle Abweichungen definiert. Der Flughafen München konsolidiert und aggregiert die von den Unternehmensbereichen und Konzerngesellschaften gemeldeten Risiken und berichtet vierteljährlich an die Geschäftsführung und Gesellschafter. Chancen werden unter Einbezug der Konzernbereiche Konzernentwicklung sowie Konzerncontrolling und Beteiligungsmanagement identifiziert und gesteuert.

Unter Berücksichtigung des aktuellen Geschäftsplans hat sich die Chancen- und Risikosituation im Vergleich zum Vorjahr kaum verändert. Es wurden keine neuen Risiken identifiziert, die sich potenziell kritisch auf das Ergebnis auswirken könnten.

Aus dem konzernweiten Risikomanagementsystem wie auch nach Einschätzung der Geschäftsführung waren im aktuellen Prognosezeitraum keine Risiken absehbar, die einzeln oder in ihrer Gesamtheit den Fortbestand des Flughafens München gefährden.

Der Flughafen München weist darauf hin, dass verschiedene bekannte wie auch unbekannte Risiken, Ungewissheiten und andere Faktoren dazu führen können, dass die tatsächlichen Ereignisse, die Finanzlage, die Entwicklung oder die Performance der Gesellschaft wesentlich von den hier gegebenen Einschätzungen abweichen.